IFS COMBATIVES

Terminus Combatives

Was heisst eigentlich Combatives und wie verstehen wir den Terminus?
Im nachfolgenden Beitrag werden wir versuchen Dir den Begriff näher zu erläutern.
Sebastian Scholz

Sebastian Scholz

IFS Combatives the reality based fighting system

Terminus

Einleitung

Der Terminus “Combatives” hat in letzter Zeit ein hohes  Maß an Bekanntheit erlangt.

Viele Schulen und Vereine für Selbstverteidigung bezeichnen sich nun als “Combatives”. Dieses Phänomen gleicht der Zeit, als sich MMA in der Szene ausbreitete und daraufhin viele Vereine und Schulen das, was sie unterrichteten, als MMA bezeichneten, obwohl dies nicht der Fall war.

Genauso wie MMA, wird der Ausdruck “Combatives” sehr häufig missverstanden.

Ganz im Gegensatz zu allen Systemen, bei denen festgelegte und vorgegebene Techniken verwendet werden und dem Lehrplan nichts hinzugefügt werden darf (ungeachtet dessen, ob es sich um Jahrzehnte alte Techniken handelt, deren Einsatz aufgrund der sich stets verändernden Verhältnisse eine minimale Chance auf Erfolg versprechen.), handelt es sich bei MMA sowie bei “Combatives” um ein Konzept.

Dies wird häufig von Selbstverteidigungsanbietern falsch verstanden und in vielen Fällen behaupten diese von sich, dass sie “Combatives” unterrichten. Der eigentliche Gedanke ist es jedoch, die Prinzipien des “Combatives” im Training anzuwenden“. 

Die Ausdrücke “Selbstverteidigung” und “Combatives” sind jedoch sehr weit voneinander entfernt. In der Tat meiden die “Combatives” Trainings-Kreise von “Selbstverteidigung” zu sprechen (die Gründe hierfür werden gleich erläutert). Viel passender hierfür ist der Begriff “Self-Protection – Selbstschutz”.

Vergleich

Vergleich “Self Defence – Selbstverteidigung” und “Self Protection Selbst-Schutz”

Ein altes Sprichwort besagt: “Verteidigen ist die Kunst zu verlieren”.

Dieses Sprichwort betrachten wir nun im Zusammenhang mit Selbstverteidigung und Selbstverteidigungstraining genauer.

Selbstverteidigung und Selbstverteidigungstraining setzt sich mit bereits erfolgten An- oder Übergriffen und deren Lösungen auseinander. Zum Beispiel wenn das Handgelenk festgehalten wird oder wenn man mit beiden Händen am Revers gegriffen wird etc.. Das Problem mit dieser Art von Training ist, dass man lernt mit Angriffen umzugehen, die bereits erfolgt sind. Das heißt: der Angegriffene ist immer im Rückzugs-Modus  (muss sich also stets auf den Angreifer einstellen, der die Initiative bereits im Vorfeld ergriffen hat und die Kontrolle über die Situation an sich gerissen hat) und verteidigt sich, ist also im Begriff zu verlieren – Aktion schlägt Reaktion!

Unterschied

Im Unterschied hierzu verfolgt das “Self-Proctection”-Training einen viel breiteren und realistischeren Ansatz. 

“Self-Protection” deckt alle Stufen eines Konflikts/Kampfes ab.

Es gibt eine Aufbau-/Vor-Kampf-Phase, beziehungsweise eine Pre-Konflikt-Phase, in der eine Reihe von Ereignissen stattgefunden hat,  mit dem Resultat, dass man angegriffen wird. Diese Pre-Konflikt-Phase ist der wichtigste Aspekt beim “Self Protection”. Das Hauptaugenmerk wird auf das Konzept der Aufmerksamkeit/Prävention gelegt, das häufig vernachlässigt wird.

Die Pre-Konflikt-Phase im “Self-Protection”-Training beinhaltet das Wissen darüber, aus welchen Gründen jemand als Opfer auserkoren wird, das “target-hardening” (wie man es dem Aggressor erschwert, als mögliches Ziel auserkoren zu werden), das Erkennen von Hinweisen, die einem Kampf vorausgehen sowie die Situationskontrolle und Gesprächstaktiken, die das “fence” (engl. Zaun/Hindernis) -Konzept beinhalten, das von Geoff Thompson berühmt gemacht wurde.

Diese Inhalte sind absolut unerlässlich, werden jedoch innerhalb der Grenzen des Selbstverteidigungs-Trainings nicht beachtet.

Die Post-Konflikt-Phase oder Nach-Kampf-Phase beinhaltet den Umgang mit der Polizei oder der Justiz, das Absetzen eines Notrufs, die Kontrolle der Situation und die Anwendung der Ersten Hilfe bei sich oder anderen Personen.

Post-Konflikt-Phasen können ebenso weitere Kampfhandlungen beinhalten.

Wie auch immer die Situation sein mag, unter Stress wird man unter dem starken Einfluss von Adrenalin und Noradrealin handeln müssen, was die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und klar denken zu können sehr beeinträchtigt. Dies ist ein weiterer, sehr wichtigerer Punkt, der im Selbstverteidigungs-Training nicht behandelt wird.

Die Phasen innerhalb einer Konfliktsituation des “Self-Protection”-Trainings, ist das, was diese Art von Training vom Selbstverteidigungs-Training unterscheidet.

Combatives

In Wörterbuch findet man für das Wort “combative” die Übersetzung “kampfbereit, kämpferisch” – zum Beispiel: “er war ein kämpferischer Mensch”. Das Wort “Combatives” findet sich nicht im Wörterbuch wieder; es wird jedoch innerhalb der modernen “Self-Protection” Gruppierung verwendet und bedeutet alles anzuwenden und zu nutzen, was die Dynamik eines realen Kampfes erfordert und in solch einer Situation funktioniert.

Martial Arts sind von Natur aus auf ein “Hin- und Her”, ein “Wechselspiel” ausgerichtet: “Person A wendet Technik C1 an, anschließend wendet Person B Technik Q79 an und so weiter.” Oder anders ausgedrückt: “Du bist dran – ich bin dran – du bist dran – ich bin dran….”

Bei “Combatives” gibt es kein “Wechselspiel”. Es ist kein Hin- und Her zwischen Austeilen und Einstecken. Es ist eine aggressive (kämpferische) Antwort auf eine Bedrohung, im Sinne von “ich bin dran – ich bin dran – ich bin dran – Ende”, stets gemäß der Situation.

Sun Tzu sagte einst, dass die Kunst des Krieges oder des Kampfes die Kunst der Täuschung ist, beinhaltend alles was notwendig ist und funktioniert.

Die Prinzipien des “Combatives” umfassen den Präventivschlag, den Vorwärtsdruck, den Kampfeswillen und die Aggression, das Greifen und Festhalten, das Finden der richtigen Schlagdistanz sowie ballistische, grobmotorische Bewegungen, die auch unter Stress und unter Adrenalineinfluss funktionieren.

Fokus

Feinmotorische Fertigkeiten, um punktgenau zu schlagen, die Anwendung von Handgelenk Hebel oder spezifischen Druckpunkten sowie die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen, stehen in einer Stresssituation nicht mehr zur Verfügung, weil der Teil unseres Gehirns, der dies steuert, unter dem Einfluss der Hormone Adrenalin und Noradrenalin, die den Kampf- oder Fluchtimpuls auslösen, außer Kraft gesetzt wird. Weder werden die Auswirkungen des Adrenalins auf den Körper im “Selbstverteidigungs-Training” wirklich verstanden, noch wird in diesem Zustand trainiert. Dieser wichtige, biologische Prozess wird eingeleitet, um uns im Kampf um das (Über)leben zu unterstützen.

Das Nichtverstehen und die Nichtbeinhaltung dieses Prozesses im Training ist ein schwerwiegender Fehler.
Der Teil, der das körperliche Training der “Combatives” Konzepte betrifft, beträgt circa 10% des gesamten “Self-Proctection” Lehrplans.

Die Zielvorgabe ist einfach:

schlage hart genug und so lange zu, bis die gegenwärtige Gefahr neutralisiert ist.  Man neutralisiert die Gefahr, indem man die Absicht des Angreifers ausschaltet. Seine oder ihre Absicht (uns zu verletzen und uns körperlichen sowie psychischen Schaden zuzufügen), muss durch den Impuls (der durch das harte und stete Schlagen hervorgerufen wird) sich nun selbst schützen zu müssen, ersetzt werden.

Um dies sofort zu bewerkstelligen, zielen 90% der Schläge, die trainiert werden, auf die “High line”- den Teil des Körpers, der oberhalb der Schlüsselbeine liegt. Jeder Treffer am Kopf ist gut, da wir hier –ausreichende Schlagkraft vorausgesetzt – dem Hirn einen neurologischen Schock versetzen können, der entweder das Nervensystem lahm legt und somit den Angreifer bewusstlos werden lässt oder eine Erschütterung des Gehirns innerhalb der Hemisphäre hervorruft und so den Angreifer von seinem Vorhaben abbringt, so dass wir entweder die Bedrohung durch weitere Interventionen ausschalten können oder die Flucht antreten.

Das Ziel ist stets unbeschadet und heil nach Hause zu der Familie, oder zu den Menschen die einen lieben, zu kommen, ungeachtet dessen was dafür notwendig ist.

Wie bei allen körperlichen Auseinandersetzungen ist es viel einfacher darüber zu reden und die Mechanismen zu verstehen, als tatsächlich in der Realität darin verwickelt zu sein.

Es ist wichtig präventiv zu schlagen und dann mit grobmotorischen und stressresistenten Schlagmechanismen nachzusetzen bis die Gefahr neutralisiert ist.

Diese grobmotorischen Schlag-Mechanismen und -Fähigkeiten können sehr schnell erlernt werden um sie anschließend bis zur Perfektion einzuschleifen.

Mindset

Wie ich bereits erwähnte, nehmen die Schlag-Fähigkeiten nur 10% des “Self-Protection” Lehrplans ein. Die anderen 90% gehören dem “Mindset” (Unter „Mindset“ verstehen wir die Grundsätzliche Einstellung im Kopf eines jeden Menschen im Angesicht einer Gefahr/eines Aggressors, was die kultivierte, kontrollierte Aggression beinhaltet)

Wenn das entsprechende “Mindset” nicht vorhanden ist, um in einer gewalttätigen Auseinandersetzung alles zu tun, was notwendig ist, um zu siegen, dann werden all die Schlag- und Tritttechniken in einer Stresssituation zu einem Nichts zerbröckeln. Wenn man kein Verständnis dafür hat, was das Adrenalin in so einer Situation in uns auslöst, dann werden all die trainierten Fertigkeiten in solch einer Situation versagen, sodass man sich recht schnell zusammengekrümmt auf dem Boden wiederfindet.

Unser “Mindset” ist in diesen Situationen  Ausschlaggebend und entscheidet über Sieg und Niederlage. Das “Mindset”, die kultivierte Aggression sowie der mentale Aspekt des “Combatives” ist das Fundament, auf dem alle anderen Prinzipien aufbauen.

Die Bereiche des “Mindsets” sind sehr komplex. Es ist einfach zu behaupten, dass man über das notwendige “Mindset” bereits verfügt, sowie zu behaupten: “Ich? Ich brauche so was nicht!” und hoffentlich kommt man auch nie in eine Situation in der Mann/Frau es braucht. Aber auf die Gefahr hin, dass dies tatsächlich der Fall sein kann, würdest Du es darauf ankommen lassen?

Realität

Realitätsnahes Training bedeutet, das Training so real, authentisch und dynamisch zu gestalten, wie es im wahren Leben der Fall ist. Das bedeutet, dass man mit einem Trainingspartner trainiert, der nicht “brav mitspielt, damit alles auch schön funktioniert”,  sondern so gut wie möglich einen realen Angreifer imitiert. Dies ermöglicht ein realistisches Szenario-Training.

Das Trainieren unter Stress und Adrenalin wird von Anfang an in das Training mit integriert. Es geht darum, die Grundlagen schnell zu erlernen, um sie dann realitätsnah unter Stress anzuwenden und zu testen.

Die Prinzipien des “Combatives” bestehen seit der Zeit des Neandertalers,  geschliffen und fortgeführt durch die Vertreter der Ära des Zweiten Weltkrieges  (Fairbairn und Sykes). Diese Prinzipien wurden weiterentwickelt und stellen heutzutage den explosiven, gradlinigen  Ansatz (der alles, was unter Hochstress nicht funktioniert verwirft) des physischen Teils des “Self-Proctection”-Trainings dar, bekannt als “Combatives”.

“Selbstverteidigung” gehört bald der Vergangenheit an.

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